16. TEB-Stammtisch 30.04.2011 (Holztunnel)

Bericht und Bilder Dieter Weißbach


Ein Bierwagen „Goerlitzer Brauerei“ von Fahrbach, vorgestellt von Lutz. Der Leipziger Händler Fahrbach ließ Anfang der 1950er Jahre für die damalige Zeit sehr detaillierte Modelle von der Firma Dietzel bauen. Eine nette Besonderheit waren die rotierenden Flettner-Lüfter, die von den rollenden Achsen angetrieben wurden. Beim Wagen im Bild fehlten die Lüfter leider, hier wurden ersatzweise kleine Rundkopfschrauben reingesetzt. Rotierende Flettner-Lüfter gab es auch bei den direkt durch Dietzel vertriebenen Kühlwagen (im Bild der zweite weiße Flachdachwagen ohne Aufdruck). Lutz brachte noch einen dritten Kühlwagen der Firma Piko mit, der ebenfalls rotierende Flettner-Lüfter besitzt. Dabei handelt es sich um einen Wagen mit Tuborg-Aufdruck. Wann dieser Wagen gebaut wurde, ist bislang nicht bekannt.


Das eigentliche Stammtischthema lautete aber:

Alte Tunnel: aus Holz und Pappe und dick mit Masse beschmiert.

Eine große Auswahl dieser krümelnden Platzfresser und Staubfänger konnte eingehend bewundert und studiert werden. Wie immer waren auch wieder sehr seltene Stücke in der Ausstellung zu sehen.

Beim Thema Tunnel kommt man an der lange in Böblingen ansässigen Firma KIBRI nicht vorbei. Es gibt aber auch Tunnel von TRIX EXPRESS, die den KIBRI-Tunneln sehr ähneln. Ähnlich wie bei den Blechgebäuden wird in Sammlerkreisen bislang angenommen, dass KIBRI die Tunnel für TRIX produzierte. Bei genauerer Betrachtung drängt sich der Eindruck auf, dass die TRIX-Tunnel (und auch die anderen Holzteile) aus anderen Werkstätten stammen, weil sich die Produkte in kleinen Fertigungsdetaills unterscheiden. Im Gegensatz zu den Blechgebäuden waren bei den Tunneln keine besonderen Stanzwerkzeuge erforderlich. Die Aufträge konnten an viele kleine Werkstätten vergeben werden, die nach einem Muster produzierten, aber ihre eigene Handschrift erkennen ließen.


Der Hochbahn-Tunnel aus der Serie Kibri-Brückenbau D.R.G.M. ist genauso selten wie der Hochbahnsteig 0/66/53/2 B. Bei beiden verläuft die Trasse 4,5cm über der Anlagenplatte; beides sind Nachbauten nach den alten Katalogbildern bzw. im Falle des Tunnels nach Bildern und Maßen einer online-Auktion aus der Hand unseres Trixnachbau-Spezialisten. Die Farben des Tunnels sind allerdings zu dunkel und intensiv geraten. Die Holzbrücke 0/68/5 ist ein Originalstück. Im Kibri-Katalog 1939 wird der Tunnel wie folgt angepriesen:

0/66/44 Tunnel mit Plastik hübsch bemalt. Der Boden für die Schienen im Tunnel liegt auf niederer Brückenhöhe. L 18cm, H 16cm, Tunnel-Einfahrtshöhe 9cm.


Vier Kibri-Galerie-Tunnel 0/42 der Nachkriegszeit mit unterschiedlicher Farbgebung der Portale. Dieses schöne Modell hat eine Länge von 33cm und passt gut zu Nostalgieanlagen. Der Tunnel wurde ab 1952 bis in die 1960er Jahre angeboten und ist noch relativ leicht zu bekommen.

Rechts ist ein Kibri-Galerie-Tunnel der Vorkriegszeit zu sehen. Er war in den Katalogen 1938 und 1939 gelistet, dort stand:

0/42/0 Tunnel mit ausgesparten Bögen, auf der anderen Seite mit Plastik, L=26cm


Relativ selten ist dieser Kibri-Tunnel zu finden, obwohl er rd. 10 Jahre in den Katalogen 1949 bis 1959 angeboten wurde. Vielen Dank an Klaus Gögg, der uns zwei Bilder aus einer Online-Auktion zur Verfügung stellte. Die Katalogbeschreibung lautete:

0/44/3 Universal-Tunnel. Kann sowohl in der Geraden als auch in der Kurve benutzt werden. L 51cm, H 13cm


Die andere Seite des Universal-Tunnels 0/44/3.


Zwar kein Tunnel, aber auch ein Höhepunkt einer TRIX EXPRESS Sammlung: der Bahnhof TRIXBURG von Florian in doppelter Ausführung. Das linke Exemplar ist ein Nachbau, hier wurde auf die Verstärkungsecken zwischen Hallenwänden und Dachbögen verzichtet.


Florian und zwölf kleine Tunnel von KIBRI 0/44/0 und TRIX 20/291. An dritter Positon von links sind zwei TRIX-Tunnel zu sehen, die anderen stammen von KIBRI. Die Exemplare auf der rechten Seite stammen aus der Nachkriegszeit und sind 15 cm lang, die Vorkriegstunnel sind mit 14cm etwas kürzer. Die Nachkriegstunnel sich mit 12cm auch etwas höher. Unterschiede gibt es auch in der Bemalung der Tunnelportale, die Nachkriegstunnel erhielten helle Mauerfugen.


Ein direkter Vergleich der beiden Vorkriegstunnel TRIX 20/291 und KIBRI 0/44/0 von Ludger. Die Portale der TRIX-Tunnel sind im Gegensatz zu den KIBRI-Tunneln sehr sorgfältig ausgesägt.


Ein weiterer Vergleich der kleinen Tunnel von Dieter. Von links: KIBRI 0/44/0 Vorkrieg, TRIX 20/291 Vorkrieg, 2x KIBRI 0/44/0 Nachkrieg. Die Nachkriegstunnel sind 1cm länger und 1cm höher, außerdem haben sie helle Mauerfugen.


Weil es so schön geworden ist und weil sich der Erbauer so darüber freut, soll nochmal der Nachbau des KIBRI-Hochbahnsteigs „beweihräuchert“ werden.


Joachim brachte eine ausgefallene Überraschung mit, die auf unserem Altmaterialtreffen eigentlich nicht zu erwarten ist. Hierbei handelt es sich um die kleinste serienmäßige Modellbahn in der Spur T (Spurweite 3,2mm, Maßstab 1:450) eines japanischen Herstellers. Zur Verbesserung von Stromabnahme und Traktion wird der kleine Zug magnetisch an die Schienen gezogen. Beeindruckend ist der Größenvergleich mit der TRIX EXPRESS-Lokomotive 20/54 der Tischbahn der 1930er Jahre. Für dieses System ist das Modell des ICE 3 in Vorbereitung.


Als heiliger Gral der TRIX EXPRESS-Sammler kann der große Ecktunnel 20/295 bezeichnet werden. Er wurde von 1937-1941 angeboten. Nur wenige dieser Tunnel haben die Jahrzehnte überdauert. Vielen Dank an Ludger, der dieses sehr seltene Exemplar nach Berlin brachte.

KIBRI hatte ebenfalls einen baugleichen Ecktunnel unter der Nummer 0/44/2 von 1937-1940 im Programm (L 43cm, B 43cm, H 17 cm).


Blick auf das Portal des TRIX EXPRESS-Ecktunnels 20/295.


Passend zum eigentlichen Thema brachte Lutz auch einige Tunnel aus DDR-Produktion mit. Hier sind drei Tunnel der Zwickauer Firma Hänisch zu sehen. Sie sind leicht an den roten Tunnelportalen zu erkennen und werden noch recht häufig angeboten.


Ebenfalls ostdeutsche Produkte sind die schweren und massiv gebauten Landschaftsteile und Tunnel der Glauchauer Firma Noch, die später in den Westen wechselte. Beim linken Tunnel könnte es sich um ein späteres Erzeugnis eines ehemaligen Noch-Mitarbeiters handeln.


Plötzlich standen zwei der sehr seltenen TRIX EXPRESS Ecktunnel 20/295 in unserer Ausstellung. Gerd Alschner hatte ein weiteres Exemplar mitgebracht.


Zum Vergleich ein dritter TRIX EXPRESS-Ecktunnel aus dem TRIX-Museum von David O’Brien. Man beachte die drei unterschiedlichen Gestaltungen der Tunnelportale.


Dieser alte Tunnel mit kleinem Landschaftsteil wird relativ oft gefunden. Es handelt sich vermutlich ebenfalls um ein DDR-Erzeugnis, vielleicht kann jemand den Hersteller benennen ?


Der kleine KIBRI-Standard-Tunnel 0/44/0 der Nachkriegszeit (L 17cm,H 12cm). Auch hier gab es unterschiedliche Bemalungen der Portale.


Zur Abwechslung wurde auch ein TRIX EXPRESS Bahnhof TRIXHAUSEN (angeboten 1951 bis 1953) von Gerd Alschner ausgestellt.


Zwei der KIBRI-Vorkriegs-Galerie-Tunnel 0/42/0 stehen auf dem Ecktunnel der Bakelit-Ausstellungsanlage von Dieter. Dieser Ecktunnel ist ein Eigenbau, der Gestaltungselemente der KIBRI-Galerie-Tunnel interpretiert. Für die öffentlichen Vorführungen sollte die Bakelit-Anlage natürlich auch einen Ecktunnel bekommen; allerdings musste er zweigleisig ausgeführt werden. Er wurde robuster gebaut, um die regelmäßigen Transporte ohne Krümelei zu überstehen und bekam deshalb keinen Massebewurf.


Der kleine TRIX EXPRESS-Blechbahnhof 20/312 aus der Sammlung von Ludger. Er war auch im KIBRI Programm unter der Katalognummer 0/52/21 enthalten und wurde 1940/41 auch für TRIX EXPRESS gebaut, wie der Originalkarton mit der TRIX-Nummer beweist. Mehr zu dieser Zusammenarbeit ist im TRIXSTADT-Artikel 1941 – weitere Kibri-Gebäude mit TRIX-Nummern nachzulesen.


Guido und Gerd Alschner im Fachgespräch über die alten TRIX-Tunnel.


Noch ein Fachgespräch zweier extra angereister Sammler alter Tischbahnen: Ludger aus München und Lutz aus Braunschweig.


Zwei Exemplare des alten Hamo-Modells der Vorserien-V160, die aufgrund ihrer Formen den Spitznamen Lollo erhielt. Der Name Hamo gehörte urspünglich zur Firma Hannemann (Nürnberg) und wurde später von Märklin für die Gleichstrommodelle verwendet.


Ein weiterer Ecktunnel, diesmal die Nachkriegsvariante von Kibri 0/44/2. Er hat die Maße L 43cm, B 43cm, H 14cm.


Fachgespräch Nr. 3: Florian mit seinen beiden Hamo-V160 und Ludger


Aus England stammt dieser schöne Holzgüterschuppen. Im Hintergrund der TRIXSTADT-Güterschuppen.


Noch ein Ecktunnel unbekannter Herkunft. Hinweise auf den Hersteller sind erwünscht; vielleicht ist es aber „nur“ ein Eigenbau?


Zum Abschluss ein schöner englischer Bahnhof mit Zusatzbahnsteig. Er soll laut Angaben des Verkäufers ein inzwischen rd. 50 Jahre alter Eigenbau aus der Verwandschaft sein; er ähnelt aber von der Bauweise sehr den Truescale- und Hugar-Modellen aus den 1950er Jahren.


Dies war nun der letzte Berliner Stammtisch vor der Sommerpause 2011. Dies schließt aber überhaupt nicht aus, dass es zu spontan verabredeten Treffen im Sommer kommt, über die natürlich wieder berichtet werden wird.



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