Im Herbst 1940, also rund 1 Jahr nach Kriegsbeginn, konnte TRIX noch für das Weihnachtsgeschäft produzieren und Drucksachen neu auflegen.
Die sehr aufwändig konstruierte Tenderlokomotive mit Superautomatik 20/56 wurde sogar erst ab Herbst 1940 an die Händler ausgeliefert (die zugehörige Bedienungsanleitung datiert vom Oktober 1940). Aus heutiger Sicht ist es bemerkenswert, gemessen am kurzen Produktionszeitraum von nur wenigen Monaten, dass von der 1940er-Version dieser Lokomotive noch relativ hohe Stückzahlen existieren. Aufgrund der in dieser Zeit bereits sehr schlechten Qualität der Gusswerkstoffe (hochwertige Werkstoffe wurden für die Rüstungsproduktion verwendet, für Spielwaren blieb nur minderwertiges Material übrig) sind sie aber meist durch Gusspest geschädigt. Oft sind bei der 20/56 der Fahrgestellrahmen verzogen, die Laufachsdeichseln und Getriebelager sowie Zylinder und Steuerungsträger abgebrochen. Auch das Gehäuse ist oft schadhaft.
Im Oktober 1940 wurde noch eine 7. Ausgabe des “TRIX EXPRESS Dienstes” herausgegeben, die sich vorrangig der Vorstellung der 20/56 widmete. Auch das “1:90 Handbuch des TRIX Eisenbahnbetriebs” wurde im Oktober 1940 neu aufgelegt und beschrieb ebenfalls die 20/56. Ein neuer Katalog wurde 1940 nicht mehr herausgegeben; in der vorigen Ausgabe 1939/40 fehlt die 20/56 noch.
Im Oktober und sogar November 1940 wurden auch noch viele Bedienungsanleitungen neu aufgelegt. So wurden u.a. Anleitungen für die elektrischen Weichen 20/28 in sechs Sprachen gedruckt. Diese Sprachen waren: Deutsch, Englisch (auch für den US-Markt), Französisch, Spanisch (auch für Südamerika), Italienisch und Holländisch. Zum Vergleich: Im November 1937 wurden Bedienungsanleitung u.a. für die neue Pazifik-Lokomotive 20/57, den neuen Schnelltriebwagen 20/58 und die neuen langen Schnellzugwagen der 20/160er-Reihe gedruckt, die ebenfalls sechs Sprachen enthielten. 1937 gab es noch einen tschechischen Text, dafür fehlte die italienische Version.
Es muss noch genauer untersucht werden, wie lange deutsche TRIX EXPRESS-Produkte in das Ausland exportiert wurden. Der englische Markt wurde mit den englischen TRIX TWIN-RAILWAY-Produkten versorgt. Es gab auch eine Lieferung von Lokomotiv-Fahrgestellen vom deutschen zum englischen TRIX-Werk, die dort mit englischen Gehäusen ausgestattet wurden. Mit dem Kriegsausbruch am 01.09.1939 dürften diese Lieferungen abgebrochen worden sein. Mit dem erzwungenen Verkauf des TRIX-Werkes vom jüdischen Gründer Stefan Bing an Ernst Voelk wurde zudem in einem Vertrag vom April 1938 festgelegt, dass TRIX England nur den englischen Markt einschließlich der englischen Kolonien beliefern durfte.
Der US-Markt wurde vor dem Krieg über den New Yorker-Spielwarenhändler F.A.O. Schwarz beliefert, von ihm sind die Katalog-Ausgaben 1937/38 und 1938/39 bekannt. In diesen Katalogen sind neben Gebäuden aus der Kibri-Produktion sowohl deutsche TRIX EXPRESS-Produkte (u.a. eine amerikanische Variante der Pazifik-Dampflok 20/57) als auch TRIX TWIN RAILWAY-Produkte (u.a. die vierachsigen Güterwagen nach amerikanischen Vorbildern) angeboten. Es gibt einen Hinweis, wonach sich F.A.O. Schwarz bereits Anfang 1939 entschieden hatte, keine deutschen Spielwaren mehr zu beziehen. Es gibt aber auch andere Sammleraussagen, wonach z.B. neue Märklin-Artikel noch 1941 in den USA erhältlich waren.
Im Januar 1941 schickte TRIX an die Händler ein Rundschreiben mit folgendem Inhalt:
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Erhöhter Einsatz unserer Gefolgschaft für vordringliche Arbeiten zwingt uns, das Fabrikations-Programm unserer Trix- und Trix-Expreß-Artikel ganz bedeutend zu vereinfachen. |
Es folgte der zeitgenössische Gruß. Weiterhin war eine Karte mit dem Betreff “Reparaturdienst” beigefügt. Dort hieß es:
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Der durch die derzeitige Lage bedingte Facharbeitermangel macht es uns unmöglich, unsere Reparaturabteilung aufrecht zu erhalten. Wir müssen dieselbe daher bis auf weiteres schließen. |
Ein besonderes Zeitdokument ist die diesem Rundschreiben beigefügte Ladenpreisliste der im Jahr 1941 voraussichtlich lieferbaren Artikel. Hier sind neben dem vollständigen Schienensortiment nur noch zwei Lokomotiven (20/52 und 20/56), vier Güterwagen (20/71, 20/72, 20/74, 20/78), ein Personenwagen (20/114) und die fünf langen D-Zugwagen (20/161, 20/162/1/2, 20/162/3, 20/163 und 20/164) aufgeführt. Weiterhin sind die erst 1939 erschienenen elektrischen Signale (20/207, 20/209 und 20/210) genannt. Recht umfangreich sind die Holz- und Blech-Gebäude aus der Zusammenarbeit mit Kibri (20/289 ff). Hier tauchen auch Artikelnummern auf, die bislang nicht in TRIX EXPRESS-Katalogen verzeichnet waren, wie z.B. die beiden Lokschuppen-Varianten 20/314 und 20/316 (vermutlich ein- und zweiständige Versionen des zweiständigen Kibri-Lokschuppen 0/49/58).
Auf der zweiten Seite der Ladenpreisliste wurden die TRIX EXPRESS Ersatzteile und ein Grund- und ein Zusatzkasten des TRIX-Metallbaukasten angeboten. Am Ende der Liste folgt der Vermerk:
Alle in dieser Liste nicht angeführten Nummern sind in diesem Jahre nicht lieferbar.
Spätere Dokumente über die TRIX-Modellbahnproduktion sind derzeit nicht bekannt.
Es ist heute nicht mehr nachvollziehbar, wann genau das TRIX-Werk die Spielzeugproduktion vollständig einstellen musste oder ob eventuell doch noch ein bestimmter Anteil der Produktion für den Export weitergeführt wurde. So ist bekannt, dass die Spielzeugproduktion bei einzelnen Firmen noch bis Anfang 1945 lief, um Waren für den Export in neutrale Staaten (Schweiz, Schweden) zu bekommen. Damit konnten Devisen erwirtschaftet oder kriegswichtige Materialien oder gar Waffen bezogen werden.
Die Rüstungsproduktion bei den Spielzeugfirmen begann schrittweise, letztlich auch um die zwangsweise vollständige Einstellung der Spielzeugfertigung (durch angedrohte Betriebsschließung, durch mangelnde Zuteilung von Material, durch Umsetzung der Arbeitskräfte) zu umgehen. Es ist anzunehmen, dass TRIX im Laufe des Jahres 1941 nur noch kriegswichtige Produkte herstellte. Der Mittbewerber Märklin konnte noch bis mindestens 1942 Modelleisenbahnen produzieren. Spätestens nach der Berliner Sportpalastrede von Joseph Goebbels vom 18.02.1943, in dem das deutsche Volk angesichts der drohenden Niederlage auf den totalen Krieg eingeschworen wurde, dürfte die deutsche Spielwarenproduktion zugunsten der Rüstungsproduktion eingestellt worden sein – ausgenommen die Spielwarenproduktion für den Export.
Rudolf Insam wurde 1971, kurz vor seinem Tod, von der der österreichischen Zeitschrift Die Modelleisenbahn (Bohmann-Verlag, Wien) interviewt. In der Ausgabe vom August 1971 ist auf Seite 85 (A31) folgendes hierzu wiedergegeben:
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Die vor Insams Eintritt in die Firma TRIX (redaktionelle Ergänzung: der Eintritt erfolgte zum 01.01.1939) so vielversprechend begonnene Entwicklung – es sei nur an das für damalige Zeit einmalige Modell der Dampflok BR 03 erinnert – wurde durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges jäh unterbrochen. Um Belegschaft und Arbeitsräume erhalten zu können, musste auf Rüstungsfertigung umgestellt werden. Während des Krieges wurden feinmechanische Geräte für die Luftwaffe erzeugt. Das Positive dieser Epoche sah Insam darin, daß nach Beendigung des Krieges ein kleiner Mitarbeiterstab zur Verfügung stand, der wirklich präzise zu arbeiten gelernt hatte. Die Rüstungsfertigung verlangte selbstverständlich rigorose Einhaltung gegebener Toleranzen. |
Hans Zschaler schreibt in dem im Jahr 2000 herausgegebenen Buch TRIX – Vereinigte Spielwarenfabriken – Teil 1 im Kapitel “Die Kriegszeit” auf Seite 48:
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1941 kam das vorläufige Aus für die Spielwarenherstellung in Deutschland und somit auch für die TRIX Spielwarenproduktion. Der Zweite Weltkrieg ging ins dritte Jahr und so musste auch TRIX auf die Produktion von Rüstungsgütern, in diesem Fall thermoelektrische Geräte für die Wehrmacht, umstellen. |
Im gleichen Buch ist auf Seite 49 ein Bild vom Januar 1943 abgedruckt, dass Hermann Göring neben Rudolf Insam an einer großen TRIX EXPRESS-Anlage zeigt. Die Anlage wurde Göring zu seinem 50. Geburtstag aus dem Privatbesitz von Ernst Voelk übergeben, Insam gab die technische Einweisung.
Ebenfalls Anfang 1943 wurde die Rüstungs-Produktion im TRIX-Werk aus dem Nürnberger Stadtgebiet nach Spalt (im Südwesten von Nürnberg, rd. 30 km vom Stadtzentrum entfernt) verlagert, um den zunehmenden Bombardierungen der Allierten auszuweichen.

