1935 – Leipziger Frühjahrsmesse

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Der TRIX EXPRESS der Vereinigten Spielwarenfabriken Nürnberg
Mit einem ähnlichen Bild wurde zur Leipziger Frühjahrsmesse 1935 geworben.


Nach den Entwicklungsarbeiten, der Erprobung und dem Beginn der Fertigung ab 1934 wurde die neue TRIX EXPRESS Modelleisenbahn während der Leipziger Frühjahrsmesse 1935 den Händlern und den Fachzeitschriften im Messehaus Petershof vorgestellt. Die Frühjahrsmesse begann am Sonntag 3. März und endete am Sonntag 10. März 1935; dies ist der offizielle TRIX EXPRESS-Geburtstag.

Bereits im Vorfeld hatten die Vereinigten Spielwaren-Fabriken Nürnberg ihre Neuheiten in den damals üblichen Fachzeitschriften angekündigt. So hieß es im Februar 1935 im Wegweiser (dem Mitteilungsblatt des Reichsverbandes der Deutschen Spielwaren-, Korbwaren- und Kinderwagenhersteller e.V. Berlin; Vogel-Verlag Pössneck, heute Vogel Business Media Würzburg) in einer ganzseitigen Anzeige auf Seite 47:

Wir zeigen zur Frühjahrsmesse in unserem vergrößerten Messelokal zum ersten Male die neue, elektr. Tischbahn TRIX EXPRESS, ein TRIX-Qualitäts-Spielzeug und Lehrmittel, ein Aufbauspielzeug für breiteste Volksmassen, welches wegen seiner vollkommenen Neuartigkeit ein Weihnachtsschlager ersten Ranges zu werden verspricht.


Damals fand die Leipziger Messe noch nicht auf einem zentralen Messegelände statt. In der Leipziger Innenstadt gab es mehrere größere Passagen und Messehäuser, die hierfür genutzt wurden. Die neue TRIX EXPRESS-Bahn wurde im Messehaus Petershof vorgestellt. Die Vereinigten Spielwaren-Fabriken hatten hier zur Vorstellung Ihrer Neuheiten die Koje 504 im V. Obergeschoss angemietet. Der Petershof war der Ort, an dem die meisten Spielwarenhersteller ihre neuen Produkte vorstellten. Das nachfolgende Bild wurde der Deutschen Spielwaren-Zeitung (Vogel-Verlag Pössneck, heute Vogel Business Media Würzburg) entnommen; dort warb die Leipziger Messegesellschaft mehrfach für den Petershof.

Messehaus_Petershof

Der Petershof an der Petersstraße 20 war ein Messehaus mit einer großen Passage in der Leipziger Innenstadt, das vom Architekten Alfred Liebig (1878-1952) zwischen 1927 und 1929 als Stahlbetonskelettbau erbaut wurde. Der Gebäudekomplex erstreckte sich zwischen der Petersstraße und der Burgstraße, das Hauptgebäude an der Petersstraße hatte fünf Voll- und drei Dachgeschosse. Herausragend waren der Lichthof mit seiner Baukeramik und die große Haupttreppe. Der Petershof brannte im Zweiten Weltkrieg aus. Nach der Beseitigung der Kriegsschäden wurde das Gebäude wieder als Messehaus genutzt. Im Jahr 2004 wurde das alte Messehaus abgerissen und durch einen Kaufhaus-Neubau ersetzt. Die alte denkmalgeschützte Fassade an der Petersstraße und ein Teil des Innenhofes blieben erhalten.
In unmittelbarer Nähe des Petershofes wurde 1919–1921 an der Petersstraße 26 Ecke Sporergäßchen das Concentra-Haus durch den Architekten Otto Droge (1885 – 1970) errichtet. Dieses Messehaus war eng mit dem Bing-Unternehmen verflochten.


In der Deutschen Spielwaren-Zeitung, Ausgabe März 1935 (Vogel-Verlag Pössneck, heute Vogel Business Media Würzburg), wurde auf den Seiten 22 und 23 über die Vorstellung der TRIX-Neuheiten auf der Leipziger Frühjahrsmesse wie folgt berichtet:

Die Vereinigten Spielwaren-Fabriken Nürnberg, sind mit drei Neuheiten erschienen:

Ein Miniatur-Rennboot mit Uhrwerk und einer Laufdauer von über einer Minute zeigt eine besonders schnittige Form des Bootskörpers und wird 6-Stück-weise in einem Original-Schaukarton in sortierten Farben geliefert.

Das kleinste Telephon der Welt ist wirklich so Miniatur, daß es als Puppenstubenartikel sehr gut verwendbar ist. Es wird handlackiert in verschiedenen Farben geliefert und ebenfalls in einem Schaukarton 12-Stück-weise herausgebracht.

Die Sensation jedoch dürfte der „TRIX EXPRESS“ sein. Eine bis ins feinste ausgedachte und ausgebaute elektrische Tischbahn, die bisher noch nicht gezeigt wurde. Drei Schienenstränge ruhen in einem Bakelitbett, das bekanntlich isoliert und so exakt zusammenhängt, dass kein Verbiegen mehr möglich ist. Auch in der Schienenverbindung ist man ganz eigene Wege gegangen und hat von den bisherigen Zapfensystem abgesehen und grundlegende Änderungen getroffen.

Sehr interessant ist, daß zwei Züge auf dem gleichen Schienensystem gleichzeitig mit verschiedenen willkürlich zu ändernden Geschwindigkeiten fahren können.

Hier findet man eine Bahnanlage mit allen Schikanen, die bequem auf den Tisch aufzubauen ist. Die Lokomotiven sind wirklich, wie der Prospekt sagt, kleine Meisterwerke der Spielzeugtechnik. Eine selbsttätige Kupplung ermöglicht das Anhängen und Kuppeln der Wagen, und was das wesentliche am Ganzen ist, die Preise sind so gehalten, daß auch Umsatzmöglichkeiten geboten sind. Es werden zwei Züge geliefert, ein Güter- und ein F.D.-Zug, die sich auf etwa 20,- RM. im Kleinverkauf stellen.

„Trix“ dürfte hiermit einen der besten Leipziger-Messe-Verkaufsschlager herausgebracht haben.


Die TRIX EXPRESS-Modellbahn war zur Messevorstellung bereits voll serienreif. Es wurden eine Lokomotive, verschiedene Personen- und Güterzugwagen, das Bakelit-Gleissystem und umfangreiches Zubehör vorgestellt. Der Mitbewerber Märklin konnte – alarmiert von den TRIX-Plänen – zur Frühjahrsmesse nur erste noch nicht serienreife Handmuster einzelner Fahrzeuge und des neuen Blechgleises vorstellen. Die ersten Märklin-Fahrzeuge waren keine Neukonstruktionen, sondern Verkleinerungen bekannter Spur 0-Modelle. Märklin war erst zur Leipziger Herbstmesse in der Lage, Serienprodukte auszuliefern.


Zunächst war geplant, die TRIX EXPRESS-Modellbahn erst etwas später auszuliefern. Aufgrund des starken Interesses der Händler und der Fachöffentlichkeit begann die Auslieferung bereits kurz nach Messeschluss an die Spielzeughändler.